Taghia

22 Mai
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Jo in der „Au nom de reforme“ 6c+

Die letzten 2 Wochen verbrachten wir wieder in der Taghia. Allerdings kamen wir nicht zusammen an, da es Juli und Rosa auch noch ziemlich mit dem Magen erwischt hatte und sie Marrakech erst später verlassen konnten. Aber als dann alle wieder fit waren, hieß es klettern bis zum Umfallen. Am ersten Tag kletterten Jo, Anne und ich die 300m lange „La reve de Aicha“ 6a+ um uns einzugewöhnen und zu testen, ob Anne mit ihrem lädierten Finger überhaupt klettern kann. Fazit: Nein. Armes Mädel, ich wär gestorben. Klettertechnisch waren wir also nur noch zu viert und so stiegen Jo und ich direkt am nächsten Tag in die 300m hohe Westwand des Toujdad ein, um die wunderschöne Route „Au nom de la reforme“ 6c+ zu klettern. Bombiger, dunkelroter Fels und die Tatsache mit meinem kleinen Scheißer mal wieder unterwegs zu sein versetzten mich echt in ein Hochgefühl.Haha. In den nächsten Tagen folgten Routen wie die „Belle et Berbere“ oder „Classe montagne epinal“. Beide um die 300m lang und 6c.

 

Ein richtiges Highlight war die 500m lange Route „Les rivieres pourpres“ 7b+. Um 5 Uhr standen wir auf und machten uns auf den Weg zum Wandfuß. Gegen 7 Uhr stiegen wir dann ein. Doch Juli klagte über Übelkeit und ich hatte Dünnschiss. Klasse. Vor uns lagen ja nur 16 Seillängen und davon acht zwischen 7a und 7b+. Naja, wir stiegen trotzdem ein und abgesehen davon, dass an Stand sechs meine Hose ein wenig schwerer wurde ; ), lief alles rund und wir konnten die komplette Route onsighten. Nach 9 Stunden Vollgas klettern kamen wir ganz schön erschöpft auf dem Gipfel des Toujdad an und nach 13 Stunden waren wir wieder an unserer Unterkunft wo wir schon freudig erwartet wurden. Nach diesen fünf Klettertagen war ich echt ein Wrack und legte erstmal zwei Ruhetage ein, in denen ich Anne nach Zaouiat begleitete, da sie von dort ihre Heimreise antreten musste.

 

Komplett erholt stiegen wir dann in die Traumroute „l’Axe du Mal“ 7c ein, die durch die 550m hohe Westwand der Tadrarate zieht. Auch hierfür standen wir wieder um Fünf Uhr auf, da allein der Zustieg schon zwei Stunden in Anspruch nahm. Als ich dann vor dieser Wand stand, dachte ich, ich tick nicht richtig. Noch nie habe ich so eine dunkelrote, fast unstrukturierte, senkrechte bis leicht überhängende Wand gesehen. Wie sollten wir da durchkommen? Abgesehen davon machte mein Magen ganz schöne Faxen an diesem Morgen (Aaah nicht schon wieder). Doch zu unserem Erstaunen konnten wir bis auf eine Platten-7b+, bei der leider der Fuß kam, alle 15 Seillängen frei klettern. Die Route ist, abgesehen von ein paar Verschneidungen, die reinste Plattenkletterei gewesen an der sich im oberen Teil, sieben Seillängen zwischen 7a und 7c aneinander reihen. Danach schmerzten mir ganz schön die Füße und als wir nach knapp 14 Stunden wieder „daheim“ waren, hatte mein Magen sich zu einer richtigen Rebellion entschieden. Na vielen Dank.

 

Nach einem weiteren Ruhetag kletterten wir die Route „Fantasia“ 7c, die durch die 600m lange Ostwand des Tagoujimt n’Tsouiannt zieht. Allerdings kletterten wir nur die ersten 500m Meter, da die Ausstiegsseillängen Bruchgelände im dritten Schwierigkeitsgrad boten und absolut unlohnend waren. An diesem Tag spürten wir aber die Anstrengungen der letzten Tage. Abgesehen davon hatte es den ganzen Tag ganz schön gewittert und Blitze zuckten über den Himmel. Beim Abseilen passierten auch noch zwei Pechsituationen und ich war heilfroh nach elf Stunden endlich aus der Wand zu sein. Trotzdem war auch diese Route ein echtes Meisterwerk der Erschließer.

 

Nachdem wir ein paar Tage in leichteren Routen verbracht hatten, stiegen Juli und ich dann doch noch in die 400m lange „Shucran“ 7c ein. Noch nie bin ich an so rauen und scharfen Fels geklettert. Bei Felskontakt wurden teilweise einzelne Fäden aus unseren Klamotten gezogen, da der Fels mit winzigen Nadeln bespickt war. Oben angekommen war meine Haut erstmal durch und ich hatte sogar blaue Flecken an den Fingerkuppen. Zum Glück war das eh der vorletzte Tag.

 

Mit insgesamt 13 Routen, über 5000 Klettermeter und 140 Seillängen war der Aufenthalt in Taghia ein voller Erfolg und ich freu mich auf die Heimreise.

 

Besonders schön waren auch immer die Abende und Ruhetage, da wir einfach ein guter Haufen sind. Wenn wir nicht gerade in den Wänden hingen spielten wir Karten, hörten Musik, schauten Filme oder gingen Baden. Außerdem werden wir hier von der Familie wie ihre eigenen Kinder behandelt und man kommt sich vor wie im Paradies. Und obwohl wir eigentlich keine wirkliche gemeinsame Sprache haben (bisschen französisch), verstehen wir uns alle bestens hier. Und so sehr ich mich die letzten Tage auf zu Hause gefreut habe, so sehr werde ich die Menschen mit ihrer Fürsorge und Gastfreundschaft vermissen. Sie sind mir echt ans Herz gewachsen. Ich komm wieder.

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Steile Kletterei in der „rivieres pourpres“ 7b+

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Zaouiat

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„L’Axe du mal“ 7c

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„Fantasia“ 7c

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Gemüüüütlich

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