Quer durch den Atlas in die Taghia

27 Apr

Wie geplant haben wir am 17. April die Todraschlucht verlassen, um zu Fuß quer durch das Atlasgebirge in die Taghia zu laufen. Wir waren zu siebt. 2 Nomaden, 2 Mulis, 1 Esel, Juli und ich. Die Tiere trugen das ganze Klettermaterial, Kocher, Geschirr, Waser und Essen für fünf Tage usw. und so konnten wir ohne Gepäck auf dem Rücken nebenher Trotten. Unsere Tage sahen in der Regel so aus: morgens standen wir gegen acht auf, frühstückten Fladenbrote und tranken viel zu süßen Tee. Danach bepackten wir die Tiere und marschierten los. Das Tempo war echt nicht das Schnellste aber ziemlich konstant. Wir liefen jeden Tag zwischen acht und zehn Stunden und legten nur eine Mittagspause ein in der wir aßen und mal wieder Tee tranken. Abends machten wir Feuer, trommelten, kochten, lernten berberisch und hatten echt eine extrem entspannte Zeit. Die Nächte schliefen wir unter Felsblöcken, Überhängen oder unter freiem Himmel.

Die meiste Zeit führte unser Weg auf winzigen Pfaden durch riesige steinig karge Berglandschaft mit riesigen Tälern und Plateaus. Wir waren fast immer auf über 2000m und kamen sogar öfters an die 3000m hoch. Ein paar Nomaden, die hier noch fast wie in der Steinzeit in Höhlen und Erdhäusern leben um ihre Ziegen zu halten, waren die einzigen Menschen de wir trafen. Wir waren richtig weg vom Schuss und mich faszinierte diese Leere und Weite jeden Tag aufs Neue. Am letzten Tag mussten wir über einen verschneiten Pass den die Tiere nicht überwinden können und so trennten sich hier die Wege der zwei Berber und uns und wir nahmen den 1000 Hm Abstieg völlig überladen auf uns. Jeder hatte zwei Rucksäcke und ich hatte zum ersten Mal bereut mir so eine fette Trommel gekauft zu haben. Haha.

Aber kaum sind wir in dem malerischen Bergdorf Taghia angekommen, war mir klar: ich bin im Paradies.Taghia liegt in einem wunderschönen saftig grünen Tal auf 2000m. Es gibt keine Straße oder Feldweg sondern nur kleine Pfade. Drum rum ist die Erde dunkel lila und danach schießen die bis zu 900m hohen Felswände in den blauen Himmel. So viele und intensive Farben hab ich erst selten gesehen. Kein Vergleich zu den Tagen davor. Und auch hier sind wir richtig weg von allem. Um ins Internet zu kommen müssten wir nach Azilal. Das heißt zwei Stunden absteigen und dann drei Stunden Bus fahren. Unglaublich. Hier gibt es nichts. Kein Empfang, kein Internet, kein Telefon usw. Erst seit einem Jahr gibt’s hier Strom. Andere Welt. Aber das braucht man ja auch nicht wenn man die besten Routen direkt vor der Nase hat.

Nachdem wir erstmal einen Ruhetag eingelegt hatten an dem wir uns und unsere Sachen mal wieder in Stand gebracht haben legten wir vollgaslos . Am ersten Tag durchkletterten wir die 500m hohe Nordwand des Oujdad mit der Route „Dance Avec le Muli“ 6c+. Das ganze wurde dann aber psychisch ziemlich anspruchsvoll, da es auf einmal weder Stände noch Bolts gab und wir mit unserem wenigen Material uns selbst einen Weg durch die Wand suchen mussten. Naja, nach 13 Stunden Vollgas waren wir wieder unten. Am nächsten Tag kletterten wir die 300m lange „Zebda“ 7b+ und zu meiner großen Freude konnte ich alle Seillängen auf Anhieb durchsteigen. Nach einem Ruhetag standen wir um 4:30 Uhr auf und kletterten die 700m lange „Barrakka“ 7b, an der Westwand des Oujdad. Wir hatten eigentlich den ganzen Tag eingeplant, fetzten die Route aber in fünf Stunden durch und stiegen am selben Tag noch nach Zaouiat ab um am nächsten Tag über Azilal nach Marrakech zu fahren. Hier warten wir jetzt auf unseren Besuch.

Irgendwo im Nirgendwo

Irgendwo im Nirgendwo

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Hinter uns ist das Massiv der Taghia

Hinter uns ist das Massiv der Taghia

Das Berberdorf Taghia

Das Berberdorf Taghia

Die Nordwand des Oujdad. Im hintergrund der Toujdad.

Die Nordwand des Oujdad. Im hintergrund der Toujdad.

 In der "Barraka" 7b

In der „Barraka“ 7b

Die 700m hohe Westand des Oujdad

Die 700m hohe Westand des Oujdad

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