Kleine Aktion am Limit

29 Jan

Die letzte Woche verbrachte ich wieder mit Skifahren und Skitouren gehen. Das Wetter war die meiste Zeit wunderschön und einmal konnte ich sogar umsonst Skifahren, da Romain,ein Mitbewohner der WG, ein Ticket zu viel hatte. Das Pisteln hier in den Pyrenäen ist echt ziemlich gemütlich da überhaupt nicht viele Leute unterwegs sind. Außerdem  scheppert aus allen Liftstationen Reggeamusik. Jaja Skifahren: Ist ja schön und gut. Aber wo blieb eigentlich die Action? Die kam schneller und heftiger als gedacht, doch lest selbst:

Am Montag den 27.1.14 trafen sich Fred aus Perpignan und ich in Vernet les Bains um zusammen vom Col de Jou den Mont Canigou (2800m) zu besteigen. Wir starteten  um 10 Uhr (früher ging nicht, da ich die Ausrüstung ausleihen musste) auf 1100m und mussten anfangs die Ski am Rucksack befestigen und ohne Schnee auf steigen. Innerhalb einer Stunde bewältigten wir die ersten 700 Hm und schnallten schließlich an einer unbewirtschafteten Hütte die Skier an. Die restlichen 1000 Hm waren sehr Kräfte zehrend da es oft auf und ab ging, eisige Passagen zu traversieren galt und das ganze ein ziemlicher Hatsch war. Nach weiteren 5 Stunden erreichten wir mit Steigeisen den total vereisten Gipfel und hatten eine prima Aussicht auf Perpignan und das Meer. Doch viel Zeit blieb uns nicht da es schon 16 Uhr war und so stiegen wir schnell zu unseren Skiern ab und fuhren zurück. Die Abfahrt gestaltete sich als Herausforderung da große Passagen eisig waren und später auch noch Bruchharsch hinzu kam. Da uns der Gedanke wiederstrebte die ganzen Auf und Abs bei der Rückfahrt in Kauf zu nehmen, stimmte ich Freds Vorschlag zu dem Bachlauf permanent bergab zu folgen um dann letztlich zur Hütte ein wenig aufzusteigen und von dort aus zurück zu den Autos zu gehen. Passt, zumal er sich hier ja auskenne. Doch diese Entscheidung war der Anfang eines großen Schlamassels. Fakt ist, dass die Dunkelheit herein brach, der Bachlauf zu einer Schlucht wurde und dann in einem Wasserfall abbrach. An dieser Stelle angekommen stieg Angst in  uns auf. Wo waren wir? Es war dunkel und weiter ging es nicht. Wir hatten uns verlaufen. Zurück war so gut wie keine Option, da wir hundertmal den Bach queren mussten, ich bereits reingefallen war und Fred am Ende mit seinen Kräften war. Ich gab ihm mein letztes Wasser und Essen und hielt ihn noch davon ab den Heli zu rufen(zum glück hatten wir eh keinen Empfang). Eins war klar: Wir mussten raus aus der Schlucht. Aber wie? Verzweifelt versuchte ich eine vereiste Verschneidung hoch zu klettern, musste aber nach zehn Metern einsehen, dass ich mit Skischuhen und Skiern am Rucksack keine Chance hatte. Letztlich entschieden wir uns den Bach noch einmal zu durchqueren und auf der anderen Seite irgendwie versuchen auf zu steigen. Scheißegal wohin. Hauptsache Bewegung, hauptsache Wärme, hauptsache irgendeine Tat. Und wenn wir Glück hatten, so unsere Hoffnung kreuzen wir eventuell unsere Aufstiegsspur. Doch das Aufsteigen gestaltete sich als schwierig. Fred war fertig und nach 2 Stunden purer Anstrengung hatten wir immer noch keinen Plan. Außerdem zwangen uns Felswände und Schluchten immer wieder zu Umwegen. Letztlich fanden wir doch noch unsere Aufstiegsspur und wir schrien uns den Stress der letzten 3 Stunden in der Dunkelheit heraus. Nach einer weiteren Stunde waren wir endlich wieder an der Hütte. Doch was war das? Brennt da nicht ein Feuer drin? Wir sahen nach. Und tatsächlich: Als wir eintraten saßen dort 4 Franzosen am Feuer bei Wein, Baguette und gegrilltem Fleisch. Sie waren froh uns endlich zu sehen da sie unsere verirrten Stirnlampen oberhalb des Wasserfalls gesehen hatten. Sie luden uns direkt ein. Wie schnell kann sich doch eine Situation der reinen Verzweiflung in eine Glückssituation verändern. Unglaublich. Kurze Zeit später stiegen wir dann die letzten 700 Hm wider zu unseren Autos ab. Nach 14 Stunden Skitour und über 2500 Hm erreichten wir todmüde nachts um 0 Uhr endlich unsere Autos. Da hatten wir nochmal Glück gehabt.

Die letzten 2 Tage versuchte ich meinen Muskelkater aus zu kurieren. Hahahaha

Pic Peric

Pic Peric

So ging es los

So ging es los

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Kurz vor dem Gipfel

Kurz vor dem Gipfel

Geschafft

Geschafft

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2 Antworten to “Kleine Aktion am Limit”

  1. Oma und Opa Januar 29, 2014 um 2:02 pm #

    Hab was gefunden
    Mach nicht alles was Du kannst,
    Kann alles was Du machst
    Bertold Brecht
    Deine Oma

  2. Annette und Wolfgang Februar 2, 2014 um 10:38 am #

    Wolfgang und Annette.
    waren genau auf der gleichen Route zum Gipfel unterwegs im Sommer 1992 .
    Der Anstieg kam uns im Sommer schon recht steil vor !
    Gott sei dank ist alles gut gegangen .
    Tipp von mir immer wenn eine Situation schwierig ist schick deinen innigsten Wunsch ans Universum , glaub mir es funktioniert immer !
    Habt ihr warscheinlich unbewust auch gemacht !
    Annette und Wolfgang

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